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Ein sicherer Hafen für das Rad

06.08.18
Kategorie: Aktuelles

Die Zahl der Pendler ist hoch. Den Weg zu den Bahnhöfen fahren viele mit dem Rad. Damit das dort auch sicher steht, gibt es Fahrradstationen – sie verknüpfen den Verkehr auch in Dorsten, und zwar zwischen ZOB und dem Bahnhofsgebäude.

Endlich Feierabend – mit dem Zug in die Heimatstadt pendeln und schnell die letzten Meter mit dem Rad bis vor die eigene Tür fahren. Aber statt des Rads sind nur noch die Reste des zerstörten Schlosses auffindbar. Fahrräder sind beliebtes Diebesgut. Ein sicherer Hafen ist daher die Fahrradstation – wie die Dorstener Einrichtung, die direkt am Busbahnhof liegt.

Jeden Werktag morgens gegen 5 Uhr radelt Christian Raschke zur Radstation. Der Holsterhausener besitzt einen Schlüssel für den Außenzugang der ver­schließbaren und 60 Plätze fassenden Radbox, die allein den Stellplatzinha-bern rund um die Uhr zugänglich ist. „Hier ist mein Rad gesichert, hier ist alles gut beleuchtet, ein guter Service“, sagt der Ingenieur, der beim Fraunhofer Institut in Duisburg arbeitet.

Jeden Morgen um 5.14 Uhr nimmt Chri­stian Raschke den Zug nach Oberhau­sen, steigt dort Richtung Duisburg um, am dortigen Hauptbahnhof nimmt er dann den Bus zu seiner Arbeitsstätte – und das ganze nachmittags wieder zurück. Seit ein paar Monaten nutzt er die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Umstiege nimmt er gerne in Kauf. „Mit dem Auto habe ich früher jeden Tag im Stau gestanden, das hat dann genauso lange gedauert.“ Da kam ihm das Ange­bot der Radstation wie gerufen. „Kürz­lich hat meine Frau mich von der Arbeit abgeholt, das Rad habe ich dann übers Wochenende in der Radbox stehen las­sen können“, sagt er. „Und ich habe mir keine Gedanken machen müssen, dass mit dem Rad etwas passieren könnte.“

72 Radstationen gibt es laut Verkehrs­ministerium in NRW, Stand Dezember 2017. Mehr als 60 tragen den vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) NRW lizenzierten Markenna­men „Radstation“. Daniel Wegerich, Geschäftsführer des ADFC NRW: „Radstationen sind mehr als nur sichere Parkplätze – sie bieten Service wie etwa Reparaturen an: Im Idealfall holt der Kunde sein Rad abends wieder repariert ab, falls er am Morgen eine Panne hatte.“

Die Dorstener Radstation bietet zwar für ihre Kunden alle genannten Annehm­lichkeiten und Dienstleistungen wie Rei­nigung, Pannenhilfe, Wartung und Fahr­radausbesserungen, das ADFC-Siegel trägt sie allerdings nicht. „Das liegt daran, dass es hier in Dorsten keinen ADFC-Ortsverband gibt“, sagt Günter Hölsken, der die hiesige Radstation seit sieben Jahren leitet. Auf der Homepage steht zwar noch, dass regelmäßig in Zusammenarbeit mit dem ADFC Fahr­rad-Codierungen angeboten werden. „Aber das ist nicht mehr aktuell, das müssen wir von der Seite nehmen.“ 280 überdachte Stellplätze

Seit 2003 besteht die Radstation am ZOB (Europaplatz). Sie wird im Auf­trag des Jobcenters der Stadt Dorsten von der „rebeq GmbH“ (Beschäfti-gungs- und Qualifizierungsgesellschaft im Kreis Recklinghausen) betrieben, die auch die Betriebskosten (Personal, Ener­gie etc.) trägt. Rund 280 überdachte Stellplätze hält sie vor. Rund 60 davon sind der Radstation für Leih- und Repa­raturräder vorbehalten. „220 Plätze ver­mieten wir an unsere Kunden, inklusive der 60 Rund-um-die-Uhr-Plätze in der Radbox“, so Günther Hölsken.

„Derzeit haben wir eine Auslastung von zwei Dritteln, darunter sind allein 100 Dauerkarten von Kunden, die Monats­oder Jahrestickets gekauft haben“, sagt er. Darunter seien nicht nur Berufspend­ler, sondern auch einige Schüler, die von außerhalb kommen und in Dorsten zur Schule gehen oder in der Lippestadt wohnen und in Nachbarstädten zum Unterricht müssen.

Die gesamten gut 800 Quadratmeter großen Räumlichkeiten werden per Videokameras überwacht. „Und am Ein­gang achten zwei Mitarbeiter darauf, dass kein Unbefugter den Radabstellbe-reich betritt.“ Derzeit ist die Radstation nur vom Busbahnhof aus zugänglich. „Hin und wieder kommt mal jemand, der glaubt, hier Fahrkarten kaufen zu können oder weil er die Toilette benut­zen möchte“, so Hölsken. „Doch nach dem geplanten Bahnhofsumbau werden wir uns auf neue Gegebenheiten einstel­len müssen.“ Denn das Gebäude soll so umgebaut werden, dass Kunden es künf­tig auch von der Bahnhofsseite betreten können. „Dann wird es hier eine Menge Durchgangsverkehr geben“, glaubt Hölsken.

Geöffnet ist die Radstation montags bis freitags von 5.45 Uhr bis 20.15 Uhr, an Samstagen und Sonntagen ist sie geschlossen. Wer allerdings die 24-Stunden-Radbox mietet, bekommt einen Schlüssel und kommt immer an seinen Drahtesel. Die Kosten für das Abstellen der Räder sind gestaffelt: 70 Cent/pro Tag, sieben Euro/Monat oder 70 Euro/im Jahr. „Bei den Monatstickets ist eine Reinigung enthalten, bei den Jah­restickets sogar eine Inspektion der Räder.“

Idee stammt aus Holland

Die Idee der Radstationen wurde aus den Niederlanden importiert – dort heißt der Service „Fietsenstallingen“. 1995 wurde das Projekt „100 Radstationen für NRW“ im Koalitionsvertrag aufgenom­men, sagt Peter London, Experte für Fuß- und Radverkehr beim Verkehrsmi­nisterium NRW. Damals gab es nur acht Stationen. „Wir machen regelmäßig – heute wie damals – Exkursionen in die Niederlande und lassen uns vom dorti­gen Radverkehr inspirieren“, erklärt London.

Fahrradstationen werden vom Land gefördert: Die Kommune stellt einen Antrag zur Förderung an das Land, pro Fahrradstellplatz bekommt sie 70 Pro­zent der Baukosten – finanzschwache Kommunen erhalten sogar 75 Prozent. Die Kosten sind gedeckelt – 1000 Euro für einen Stellplatz am Straßenrand,

Artikel aus der Dorstener Zeitung von Michael Klein und Jean-Pierre Fellmer


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