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Neue Radstation - viel Kritik für Standortwahl

13.05.19
Kategorie: Aktuelles

Ein Parkdeck für Fahrräder aufstocken? 700 Fahrradstellplätze wurden von der Stadt Ludwigsburg gefordert, 790 könnten umgesetzt werden. Auch eine Werkstatt ist geplant.

Man könne hinter diesen Standort viele Haken setzen, sagte Oliver Lindner vom Fachbereich Stadtplanung und Vermessung der Stadt Ludwigsburg in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses. Gemeint ist die geplante Radstation auf der östlichen Bahnhofsseite, als Ergänzung zu jener am Westportal. Letztere wurde 2010 eröffnet und platzt schon lange aus allen Nähten. Einerseits sei das Grundstück Eigentum der Stadt, andererseits gehöre das Parkdeck Schillerviertel den Stadtwerken Ludwigsburg-Kornwestheim (SWLB). Kosten würde das Parkhaus rund 2,2 Millionen Euro, die größtenteils durch Fördermittel finanziert werden könnten.

Viel Gegenwind für den Standort
Und doch: Der Standort wurde vom Ausschuss heftig kritisiert. Bereits im Juni 2017 hatte man sich nämlich im Gemeinderat auf das Parkdeck direkt neben dem Bahnhofsgebäude, parallel zum Gleis 1, geeinigt. Problem daran ist aber, dass der Besitzer des Parkdecks, die Münchner Unternehmensgruppe Doblinger, nicht angetan ist von der Vorstellung, ihr Parkdeck für Fahrräder aufzustocken. Dass aber eine weitere Möglichkeit, das Rad abzustellen, nötig ist, das stehe fest, so Bürgermeister Michael Ilk. Und zwar auf der der Innenstadt zugewandten Seite.

Es wurde bereits eine Machbarkeitsstudie durchgeführt, die zeigt, dass das Parkdeck Schillerviertel um eine Etage aufgestockt werden kann. Es seien dazu Mikrobohrungen nötig, um das Fundament zu verstärken, das ginge aber gut, berichtete ein Sprecher der SWLB, die das Rad-Parkdeck bauen und betreiben sollen. Durch die Aufstockung des bestehenden Parkdecks ergebe sich eine Fahrradebene mit einer Fläche von rund 1600 Quadratmetern. 700 Fahrradstellplätze wurden von der Stadt gefordert, 790 könnten umgesetzt werden. Auch eine Werkstatt ist geplant. Lediglich vier Auto-Stellplätze im Erdgeschoss müssten für eine Rampe zum Parkdeck im Norden geopfert werden.

Angedacht sind zwei Zufahrten, eine mit einer Steigung von drei Prozent, die den Hauptzugang über die Zufahrt südlich des Gebäudes Bahnhofstraße 13 bilden soll. Durch die gegebene Höhenlage ist die geringe Steigung möglich. Für die Umsetzung sei lediglich die Zustimmung des Eigentümers der Bahnhofstraße 13, der Telekom, erforderlich, so der SWLB-Sprecher. Diese habe bereits signalisiert, dass die Bereitschaft da sei. Die zweite Rampe habe neun Prozent Steigung, „deutlich zu steil“ für Stadträtin Dr. Christiane Knoß (Grüne).

Die direkte Zufahrt über die Bahnhofstraße zum Parkhaus, das in zweiter Reihe steht, soll dunkle und unsichere Nischen verhindern. Die Zufahrt „fungiert als Schleuse, in die nur Besucher der Radstation Zugang erhalten sollen“, ist der Vorlage zu entnehmen. Um eben diese dunklen Nischen sorgte sich Knoß und forderte ein modernes Schließsystem, um rund um die Uhr rein und raus zu kommen, bezweifelte aber auch, dass Frauen und Kinder das Parkhaus den offenen Stellplätzen direkt vor dem Bahnhofseingang vorziehen werden.

Ins selbe Horn blies auch Wilfried Link von der CDU: „Es ist und bleibt eine Hinterhofgarage“. Der CDU-Mann prophezeite, dass die Radstation durch die Lage in zweiter Reihe nicht genutzt würde „und dann hat man dasselbe wie in Bietigheim“, so Link. Er favorisiert eine zweigeschossige Stahlträgerkonstruktion über dem nördlichen ZOB-Tunnelmund. Diese Variante wurde im Voraus untersucht und abgelehnt, nicht nur wegen der Zweifel, was die Statik betrifft, sondern auch wegen der noch nicht festgelegten Route der geplanten Stadtbahn von Norden her.
Warten nicht möglich

Warten auf die Stadtbahn-Route kann die Stadt nicht, da die Fördermittel, die man nutzen möchte, Mitte 2020 verfallen würden. Dabei handelt es sich um rund 643 000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) für Innenausstattung und technische Anlagen des Fahrradparkhauses, die bereits bewilligt wurden. Für die Außenhülle können Städtebaufördermittel aus dem Sanierungsprogramm „SSP ZIEL“ genutzt werden (dabei kommen 60 Prozent von Bund und Land und 40 Prozent von der Stadt), im Rahmen von maximal 1,5 Millionen Euro. Die Gelder sollen dann den Stadtwerken zugeführt werden, die das Parkhaus betreiben sollen. Außerdem wird laut Vorlage angestrebt, dass die Neue Arbeit den Betrieb der Radstation leistet, wie bereits am Westportal.

„Ziel der Planung sollte sein, die älteren Bäume zu erhalten“, sagte Stadträtin Elga Burkhardt (LUBU). „Nach bisherigem Stand muss nur ein Baum geopfert werden“, beruhigte Lindner. Auch sei eine grüne Fassade geplant. Der Standort wurde trotz vieler Kritikpunkte in Ermangelung von Alternativen bewilligt. Neun Stadträte stimmten dafür.

Erschienen ist der Artikel am 16.04.2019 in der Bietigheimer Zeitung.


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